Historischer Hintergrund

Die Wiese grub sich ihr Flussbett während Jahrhunderten ungehindert durch den Talgrund. Seit dem 18. Jahrhundert versuchte man, die ufernahen Gebiete mit verschiedensten baulichen Massnahmen nutzbar zu machen. Der heutige konstante Abflussquerschnitt mit einem Doppelprofil und seitlichen Dämmen entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, um Überschwemmungen und Landverlust zu verhindern.

Nach der letzten Eiszeit (Würm) lagerte der Schwarzwaldgletscher Schotterterrassen im Wiesental ab. Genährt von Schmelzwassern des sich zurückziehenden Schwarzwaldgletschers, grub sich die Wiese weiter in die Niederterrasse ein. Dabei entstanden neue Talböden und als letzte Stufe die Wiesen-Auen. Durch die Ablagerungen des mitgeführten Geschiebes verflachte sich der Lauf der Wiese gegen den Rhein zu. Es bildete sich ein weitgefächertes Delta, das im Laufe der Zeit wieder verlandete und auf wenige Arme reduziert wurde. Im unteren Lauf hatte die Wiese ihr Bett in ein einigermassen ausgeglichenes Gefälle angelegt. Sie durchfloss die Aue mit vielen, nach jedem Hochwasser ihre Lage wechselnden Armen, der Fluss verzweigte sich dabei über die ganze Ebene. Während Jahrhunderten beherrschte die Wiese so den ganzen Talgrund.

Nachdem sich die Wiese im Laufe der Jahrhunderte weiter in die Aue eingegraben hatte, nahm sie in der Talsohle weiterhin frei und ungebändigt ihren Lauf. Bei Hochwasser brach sie ungestüm aus ihrem Bett, überflutete den Auenwald und das angrenzende Weideland. Die Bauern, die dieses Gebiet nutzen, versuchten sich gegen die Überschwemmungen und den Landverlust, den der Fluss an den noch unbefestigten Ufern anrichtete, mit Uferverbauungen zu schützen.

Erste bauliche Massnahmen

Ab 1766 wurden von der heutigen Freiburgerstrassenbrücke bis zum damaligen Otterbacheinlauf, auf einer Länge von ca. 1800 Metern, Flussschlingen mit quer zur Hauptrichtung angeordneten Holzverbauungen abgeschnitten (Projekt Samuel Gessner). Im vom Geometer F.M. Cagnard 1809 erstellten Situationsplan dieses Abschnittes ist von den Verbauungen nichts mehr zu sehen. Nach dem Plan von Cagnard floss die Wiese in einem breiten, unverbauten Bett mäanderförmig zwischen grossen Sand- und Kiesbänken hindurch.

Im Übersichtsplan Hofer 1:5000 von 1822 ist sowohl das begradigte Teilstück von der heutigen Freiburgerstrassenbrücke bis zum Otterbacheinlauf wie auch das ursprünglich verzweigte Gerinne, mit einer Breite von ca. 150 Metern, oberhalb des korrigierten Abschnittes klar ersichtlich.

Für den Unterhalt und Ausbau im 18. Jahrhundert war die Land- und Waldkommission der Stadtgemeinde zuständig. Am 12. Juni 1817 wurde durch Beschluss des Rates des Kantons Basel der «löbl. Waldkommission» die Oberaufsicht und Leitung aller Wiesenwuhr-Arbeiten übertragen. Diese Kommission koordinierte den Unterhalt und Ausbau in den darauffolgenden Jahren in den verschiedenen Abschnitten, der Erfolg war jedoch unbefriedigend. Anfangs 1830 wurde den Behörden bewusst, dass nur eine durchgreifende Korrektion des ganzen Flusslaufes auf die Dauer Erfolg haben konnte.

Flusskorrektionen

Die Korrektion von 1830 sah einen ca. 44 Meter breiten Abflusskorridor mit seitlichem Vorland und einer Niederwasserrinne vor. In diesem beidseitig von Steinwuhren und Steinbuhnen begrenzten Korridor sollte der Fluss sein Längenprofil durch das stete Gefälle selbst herstellen. Ab 1834 wurde abschnittsweise mit den Arbeiten begonnen. Sie dauerten bis 1850.

In den darauffolgenden Jahrzehnten wurde das Querprofil immer wieder – meist nach Hochwasser oder Inspektionen – angepasst. Die ursprüngliche Uferbefestigung war ein Buhnensystem, es wurde jedoch in den 1850er-Jahren nach dem schweren Hochwasser von 1852 durch ein Schwellensystem ersetzt. Für das Flussbett sah das Projekt Baader (1852) ein Doppelprofil mit einem befestigten «Sommerbett» für den mittleren Wasserstand und einem «Notbett» mit seitlichen Geländeerhöhungen für die Hochwasser vor (Gesamtbreite ca. 72 Meter).

Hochwasser und Unwetter

Zwischen 1847 und 1877 ereigneten sich 30 Hochwasser, die teilweise verheerende Schäden verursachten, sodass das Abflussprofil immer wieder auf einzelnen Abschnitten angepasst wurde. Das Unwetter vom 27. und 28. Dezember 1882 (Abfluss ca. 450 Kubikmeter pro Sekunde) richtete auf der ganzen Länge des Gewässerlaufes der Wiese zahlreiche Schäden an. Dieses Hochwasser war unter anderem der Auslöser für die konsequente Umsetzung der Korrektionsarbeiten in den Langen Erlen. Das anschliessend ausgearbeitete Projekt (Ing. Bringolf) sah den Ausbau des alten Bachbetts im Unterlauf vor. Die Arbeiten wurden in den Jahren 1833 bis 1887 ausgeführt. Der Oberlauf in Riehen wurde 1896 bis 1900 als Doppelprofil mit beidseitigen Dämmen, abgestimmt mit dem unteren Abschnitt in der Stadt Basel, auf einen Abfluss von 400 bis 450 Kubikmetern pro Sekunde aus-gebaut. Das oberste Teilstück von der Weilstrassenbrücke bis zur Landesgrenze wurde nach dem sogenannten System Schindler erstellt. Dieses zeichnet sich durch eine ununterbrochene Bogenlinie von Dammkrone zu Dammkrone aus, ohne konstruktive Ausbildung einer Mittelwasserrinne.

Da sich das System ohne Rinne nicht bewährte, wurde 1920 das System Schindler mit einer Rinne ergänzt. Durch das Hochwasser vom 24. bis 28. Dezember 1919 wurden die Verbauungen an der Wiese zum Teil stark beschädigt, sodass auf den betroffenen Strecken umfassende Wiederherstellungsarbeiten notwendig waren. Dabei wurde das 1913 zu eng bemessene Abflussprofil bei 1,35 Kilometer im Abschnitt vom Eisernen Steg bis zur Freiburgerstrassenbrücke vergrössert.

Unterhalt und Befestigungen

Seither weist die Wiese von der Landesgrenze bis zum Rhein einen konstanten Abflussquerschnitt mit einem Doppelprofil und seitlichen Dämmen aus. Zur Sicherung gegen Sohlenerosion ist die Sohle auf seiner ganzen Länge mit Schwellen gesichert. In den letzten 80 Jahren wurden keine grösseren Verbauungen an der Wiese durchgeführt, seither konzentrierten sich die Arbeiten auf den laufenden Unterhalt.

Die Befestigungen des Wieseufers im Abschnitt Riehen erfolgten nicht nur zum Schutz vor Hochwasser. In diesem Abschnitt bildete die Wiese, als von der Natur vorgezeichnete Grenze, über Jahrhunderte hin die Grenze zu Weil (Deutschland), die sich jedoch bei jedem Hochwasser verschob. Bereits in den Jahren 1388 und 1422 wurde diese Grenze durch Bäume, Pfähle oder Steine gesichert. Die 1672 vom Basler Geometer vermessene und dokumentierte Grenze legte die Basis für eine Grenzlinie mit Grenzsteinen, die so fixiert wurde, dass sie jederzeit wieder rekonstruiert werden konnte. Diese Grenzsteine wurden im 19. Jahrhundert durch ausserhalb des Hochwasserbereiches versetzte «Lohensteine» versichert. Die erste Gesamtkorrektion der Wiese ab 1851, die weitgehend den heutigen Verlauf erstellte, sicherte dies mit einer Uferzone zur Landesgrenze.

Fazit

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass die Wiese ursprünglich ein über die ganze Tal Ebene verzweigtes Gerinne aufwies. Je nach Hochwasser waren die verschieden Arme unterschiedlich durchströmt. Die Wiese als verzweigtes Gerinne ist aus alten Aufnahmen ersichtlich, z. B. aus dem «Orthographischen Grundriss des Riechemer Bahns» von Jacob Meyer 1643 oder dem Übersichtsplan 1:5000 von J.H. Hofer 1822. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Hauptgerinne der Wiese zusehends zum heute begradigten, kanalisierten Gerinne mit Seitendämmen verbaut. Es wurden die verschiedenen grösseren Arme abgetrennt. Sie durchfliessen teilweise noch heute, als sogenannte Teiche (Alter Teich, vorderer-, mittlerer-, hinterer Teich etc.) oder Bäche (Otterbach, Mühlebach), den Talboden der Wiese. Als natürliche Gerinnebreite für die verzweigte Wiese müsste topographisch gesehen der ganze Talboden genannt werden. Aus morphologischer Sicht wird eine Breite von ca. 150 Metern – gemessen aus dem Übersichtsplan 1:5000 von J.H. Hofer 1822 – die natürliche Gerinnebreite abbilden.